„Frauen als Verliererinnen der Krise?“

Veröffentlicht am 20.06.2020 in Pressemitteilungen

Gemeinsame Digitalwerkstatt der sozialdemokratischen Frauen und Arbeitnehmer mit interessanten Einblicken und klarem Forderungskatalog

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) und die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen hatten zu einer gemeinsamen Digitalwerkstatt eingeladen, um die Situation von Frauen in der derzeitigen Pandemie unter sozialen, beruflichen und bildungspolitischen Fragestellungen zu analysieren. Dr. Claudia Schöning-Kalender, Stadträtin und Vorsitzende der Mannheimer ASF, erläuterte in ihrer Begrüßung die derzeitige Mehrfachbelastung  von Frauen, mit Familienaufgaben wie Kinderbetreuung und/oder Pflege sowie Beruf unter Wegfall aller Betreuungs- und Bildungsstrukturen wie Krippe, Kindergärten, Hort und Schule. „Wie in vielen Krisen sind es wieder einmal die Frauen, die den Laden zusammen halten“, fasst Schöning-Kalender zusammen.  Belamir Evisen als AfA-Vorsitzender erinnerte daran, dass gerade die Frauen in den Care-Berufen wie Erzieherinnen, Krankenschwestern oder Altenpflegerin gerade besonders im Fokus stehen und ihre Arbeitsbedingungen in Sachen Bezahlung und guter Rahmenbedingungen verbessert werden müssen, denn „Klatschen auf dem Balkon ist zu wenig“.

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Besonderheit der Digitalwerkstatt war, dass drei Referentinnen zu den inhaltlichen Themen Arbeitsmarkt, Bildung und Soziales eingeladen waren, die allesamt als junge Mütter selbst den Spagat zwischen Familie, Beruf und Betreuung bzw. Homeschooling meistern.  Den Auftakt machte Volkswirtin Annette Hillerich-Sigg, die auf die aktuellen arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen einging: „Frauen reduzieren ihre Arbeitszeiten, um Betreuung zu garantieren und nehmen somit  Karriereknicke, etwaigen Jobverlust und schlechtere Renten in Kauf. Wir erleben einen Rollback in die 50er“, fasst es Hillerich-Sigg pointiert zusammen. 

Daran anknüpfend betonte Politikwissenschaftlerin Heike List, dass die Corona-Pandemie jedoch keineswegs als „Desaster für den Feminismus“ enden müsse. Gerade weil sie sichtbares Schlaglicht  auf  bestehende und miteinander verflochtene Ungleichheiten - und dies nicht nur zwischen Geschlechtern - in  der  Gesellschaft werfe, könne man jetzt an besseren Rahmenbedingungen, mehr Tarifbindung und einer verbindlichen Gleichstellungsstrategie arbeiten. „Wir stehen als Sozialdemokratie mit unseren Werkzeugen doch nicht am Anfang“ ergänzt sie, „der aktuelle Wegfall der Kinderbetreuung zeigt doch, wie groß die Errungenschaften durch diese Einrichtungen bereits sind!“ Die Geschäftsführerin des Mannheimer Frauenhauses und Fraueninformationszentrums sowie Zweitkandidatin für die Landtagswahl im Mannheimer Süden, Nazan Kapan, warnt, dass erst nach dem Shutdown-Ende negativen Ergebnisse wie die Zunahme von Gewalt gegenüber Frauen und Kindern ans Licht kämen, denn in der Isolation konnten die Frauen sich gar nicht melden. „Wir dürfen diejenigen Frauen nicht vergessen, die gerade keine Kraft und Strukturen haben um sich zu artikulieren“, appelliert Kapan energisch.

In einem dritten Impuls verdeutlichte Bildungsreferentin Dr. Melanie Seidenglanz die besondere Herausforderung schulpflichtiger Eltern und erklärte welche Belastungen im sogenannten Homeschooling noch on top kommen. „Die Begleitung schulischer Aufgaben Zuhause wird auch hauptsächlich von Frauen übernommen. Bei mehreren Kindern und gleichzeitiger Berufstätigkeit ist das äußert schwierig, gerade da im Austausch von Schule und Zuhause noch nicht alles rund läuft“, fasst es Seidenglanz zusammen. Die anwesende Stadträtin und bildungspolitische Sprecherin der SPD Fraktion, Lena Kamrad, bestätigte dies aus eigener Erfahrung und ergänzt, dass die Schulen und Kindergärten oft nur kurzfristig die neuen Verordnungen vom Land erhalten und gerade in der Krise deutlich geworden sei, wie schlecht die Schulen in Bezug auf die Digitalisierung aufgestellt sind. 

Nach Impuls und Diskussion wurden in einer Antragswerkstatt die Forderungen wie  Überprüfung der Maßnahmen und  Hilfspakete der GroKo hinsichtlich Geschlechtergerechtigkeit, flexiblere Gestaltung der Brückenteilzeit und Elternzeit, Corona-Rentenbonus für diejenigen, die aufgrund der Pandemie nicht oder nur eingeschränkt berufstätig sein können/konnten, mehr Personal für Kitas & bessere Zahlung, Einführung von Sommerferienkursen in Baden-Württemberg um Wissenslücken sozialschwächerer Schülerinnen zu schließen, und  Vorschläge wie Aufstockung von Polizeikräften hinsichtlich der Unterstützung von Frauen bei häuslicher Gewalt direkt gesammelt. Der gemeinsam erarbeitete Forderungskatalog wird den Verantwortlichen in Kommune, Land und Bund zur Verfügung gestellt. 

Als stellvertretende Bundesvorsitzende der ASF wird Schöning- Kalender die Forderungen auch in die Arbeit der Bundes-ASF einbringen. Sie dankt allen Beteiligten für die äußerst konstruktive Diskussion und insbesondere Marie-Luise Stallecker für die gute Vorbereitung, Moderation und Dokumentation der Digitalwerkstatt.

 

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